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Partnerschaft: Über Sex sprechen

Let's talk about Sex? Über Probleme im Bett sprechen viele nur ungern. So können Paare ihr Schweigen brechen
von Christian Andrae, 05.12.2017

Ohne Druck und Stress redet es sich leichter über intime Themen

Westend61 GmbH/Rainer Berg

Sex zu haben ist eine der natürlichsten Sachen der Welt. Doch Sex zu haben ist nicht selbstverständlich. Erektionsstörungen, Pro­bleme in den Wechseljahren, Langeweile und Routine oder Medikamente, die die Lust rauben – es gibt viele Gründe, warum es im Bett nicht mehr so recht klappen mag. Reden will über diese Schwierigkeiten allerdings niemand – das kann Beziehungen belasten.

"Viele haben nicht gelernt, über Sex zu sprechen, und sind da sehr befangen", sagt Guido Schneider, Psychiater und Sexualtherapeut aus Köln. Denn bei kaum einem anderem Thema seien Menschen so angreifbar, so leicht verletzbar. Herrscht Flaute im Bett, nagt das am Selbstwertgefühl. "Bei Männern, weil sie Angst haben, den eigenen Erwartungen oder denen der Partnerin nicht mehr zu entsprechen. Und bei Frauen, weil sie dann oft ihre eigene Attraktivität infrage stellen", sagt Schneider.

Das kann Einfluss auf die Sexualität haben

Ob organische Einschränkung oder Alterserscheinung – gerade in der Lebensmitte haben viele körperliche Faktoren Einfluss auf unsere Sexualität.

  • Nebenwirkung von Medikamenten: Mittel gegen Bluthochdruck (Antihypertonika), Antidepressiva (zum Beispiel selektive Serotonin-Wiederaufnahmehemmer) oder auch Chemotherapien
  • Krankheiten: Prostataerkrankungen, Diabetes, Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Nierenschwäche, HIV
  • Hormonstörungen: Schilddrüsenunterfunktion, erhöhter Prolaktinwert, Testosteronmangel
  • Psychische Erkrankungen: Depressionen, Angststörungen, Essstörungen oder Suchterkrankungen

Probleme durch Medikamente

Zum Beispiel muss ein Mann aufgrund seines Bluthochdrucks ein bestimmtes Medikament einnehmen. Dessen Nebenwirkung: Die Erektions­fähigkeit leidet, die Libido auch – und der Mann zieht sich daraufhin im Bett zurück. "Das kann von der Partnerin so interpretiert werden, dass sie wohl nicht mehr reizvoll genug ist", erläutert Schneider.  

"Der andere ist da auf seine eigenen Vermutungen angewiesen", sagt die Diplom-Psychologin Hilde­gard Köhler-Bernhardt, Paar- und Sexualtherapeutin bei Pro Familia in Goslar. "Und mit diesen Vermutungen kann man sehr falsch liegen." Gerade deshalb sei es wichtig, dass über das Thema geredet und eine mögliche Fehlinterpretation aufgeklärt oder von vorn­herein verhindert wird.  

Missverständnisse ausräumen

In der Sexualität verhält es sich wie mit anderen Konfliktfeldern in der Partnerschaft: Bleiben Probleme unausgesprochen, verstärken sie sich meist nur noch.

"Es geht darum, Missverständnisse aufzulösen", sagt Köhler-Bernhardt. Etwa bei Sexualität nach Brustkrebs. Viele Frauen müssten sich nach einer solchen Erkrankung neu in ihren Körper einfinden. Dabei können sie enttäuscht reagieren, wenn der Partner die Narben nicht berührt. Sie können aber auch genauso gut verletzt sein, wenn sie an der sensiblen Stelle gestreichelt werden. "Das steht niemanden auf der Stirn geschrieben", so die Psychologin. Wenn nicht darüber gesprochen wird, "bewegen sich beide Partner auf unsicherem Terrain".

Oft habe das sogar einen kompletten Rückzug aus der Sexualität zur Folge, mahnt Schneider. Obwohl eine Erkrankung keineswegs bedeute, dass das Interesse an Geschlechtsverkehr komplett verloren geht.

Die Sexualität den Bedürfnissen anpassen

Häufig ist es ohnehin keine Krankheit, die zu Veränderungen im Bett führt. "Ab 30 Jahren gibt es ganz normale physiologische Alterserscheinungen", betont Schneider. "Irgendwann genügen erotische und optische Reize nicht mehr, sodass zusätzlich zum Vorspiel beispielsweise eine mechanische Reizung immer wichtiger wird – für Mann und Frau." Der Therapeut rät dazu, die eigene Sexualität dementsprechend weiterzuentwickeln.  

"Wenn das ausbleibt, kann das in ­einem Teufelskreis aus Schweigen, Ängsten und falschen Interpretationen münden", sagt Experte Schneider. Viele denken dann etwa, der andere würde sie nicht mehr lieben – nur weil er jetzt auf eine andere Art und Weise berührt oder erregt werden möchte.

Wertschätzung statt Vorwürfe

Aber wie können Paare Scham und Furcht überwinden, wie können sie offen und konstruktiv über ihr Liebesleben sprechen? "Indem konkret genau die Ängste und Befürchtungen angesprochen werden. Damit kommt das Thema überhaupt einmal auf den Tisch", sagt Schneider.

Wichtig für solche Gespräche: Die sexuellen Bedürfnisse des Gegenübers wertschätzen und in einem positiven Rahmen ansprechen. "Oft entstehen Konflikte in diesem Bereich, wenn Druck ausgeübt und Stress erzeugt wird", so der Sexualtherapeut. Wenn sich die Partner zum Beispiel gegenseitig Vorwürfe machen. Mit wertschätzen meinen Experten vor allem eines: zuhören.

"Meistens ist es ja so, dass ein Partner recht sprachlos ist und sich zurückzieht", sagt Psychologin Köhler-Bernhardt. "Dann sollte der andere auch versuchen, diese Sprachlosigkeit zu verstehen." Für viele Menschen sei es eben nicht leicht, bei diesem Thema Worte zu finden oder über Gefühle zu sprechen.

Chance für die Zukunft

Sind beide bereit für ein Gespräch, könne man sich als Paar etwa fragen, wozu die aktuelle Situation im Bett jeden einzelnen herausfordert. Habe ich wegen einer Erkrankung Schmerzen? Habe ich Lust auf neue Dinge – und Angst, das zuzugeben? Anschließend entwickelt man gemeinsam Lösungen. Was ist für uns beide trotz dieser Herausforderungen im Bett möglich?

Köhler-Bernhardts Tipp: Wegkommen vom "Nur noch" hin zum "Von nun an". Manche Paare sprechen zum ersten Mal überhaupt über ihre Sexua­lität, wenn ernsthafte Probleme zu ­lösen sind. "Das kann man vielleicht auch als Chance zu sehen", so die Psychologin.



Bildnachweis: Westend61 GmbH/Rainer Berg

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