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Hepatitis C: Heilung möglich, aber hohe Kosten

Hepatitis C lässt sich mittlerweile heilen, vielleicht sogar ausrotten. Doch das Medikament ist sehr teuer – und die Krankheit bleibt häufig unentdeckt
von Larissa Gaub, 13.11.2017

Neue Mittel gegen Hepatitis wirken besser als frühere Arzneien, kosten aber sehr viel

Getty Images/ Digital Vision/ Dpa Picture Alliance / All Canad Photos -

Es ist noch nicht lange her, da ­waren die Heilungschancen für Hepatitis-C-Patienten eher mau. Die Therapie der Leberentzündung ­bestand aus einer Kombination von ­Interferon-Spritzen, die das Immunsystem im Kampf gegen das Virus unterstützten, und Ribavirin-Tabletten, die eine Vermehrung des Erregers verhinderten.

"Doch nur etwa jeder zweite Patient sprach auf die Behandlung an", berichtet Professor Markus Cornberg, medizinischer Geschäftsführer der Deutschen Leberstiftung. Zudem litten Betroffene oft schwer unter Neben­wirkungen wie Schlafstörungen, Kopf- und Gliederschmerzen, Übelkeit oder Depressionen.

Erfolgreicher neuer Wirkstoff

2014 jedoch änderte sich alles. Ein innovativer Wirkstoff kam auf den Markt. Die antiviralen Medikamente hemmen die Vermehrung des Virus direkt in den Leberzellen. Neu ist nicht nur der Mechanismus, sondern auch, wie gut die Arzneimittel tatsächlich wirken. "Nach nur zwei oder drei Monaten Therapie sind über 95 Prozent der Patienten dauerhaft virusfrei", so Cornberg.

Ein weiterer Vorteil: Statt wie bisher ein Jahr müssen Betroffene die Medikamente nur noch wenige Monate einnehmen, und die Nebenwirkungen sind gering. Die Interferon-Therapie war damit Geschichte. Sie wird Cornberg zufolge so gut wie nicht mehr eingesetzt – nicht einmal mehr als Zweit­therapie.

Die Firma diktiert den Preis

Auf den Erfolg der neuen Behandlungsmethode reagierte auch die Weltgesundheitsorganisation (WHO). Sie sagte dem Hepatitis-C-Virus offiziell den Kampf an und gab das Ziel aus, die Krankheit bis zum Jahr 2030 auszurotten. Doch diese ehrgeizige Vor­gabe hat ihren Preis – und den legt zunächst die Pharmafirma fest. "Wird ein neues Medikament zugelassen, gilt in den ersten zwölf Monaten ein Preis, den der Hersteller selbst wählt", erklärt Ann Marini, die Pressesprecherin des Spitzenverbandes der gesetzlichen Krankenkassen (GKV).

Im Fall des neuen Hepatitis-C-Präparats lag dieser bei rund 700 Euro – pro Tablette. Und die Patienten müssen drei Monate lang täglich eine davon schlucken. Doch die Hersteller hatten ein gutes Argument auf ihrer Seite: Das Mittel wirkt extrem gut, viel besser als die bisherige Behandlung. 2015 einigten sie sich mit den Krankenkassen auf einen neuen Preis. Pro Tablette sind nun 600 Euro fällig, die Vereinbarung gilt bis 2018.

750 Millionen Euro pro Jahr

Bei der Einführung der Medikamente gingen Experten davon aus, dass die Behandlungskosten für Hepatitis C in Deutschland insgesamt auf etwa fünf Milliarden Euro jährlich steigen würden. Eine Summe, die das Gesundheitssystem ächzen lässt? Bisher nicht. Die Kostenprognosen wurden sogar unterschritten, wie eine Analyse des Berliner Instituts für Gesundheits- und Sozialforschung ergab.

Seit 2014 fielen demnach statt der vorausgesagten fünf Milliarden "nur" Kosten in Höhe von etwa 750 Millionen Euro pro Jahr an. Den Rückgang der Umsätze mit Hepatitis-C-Medikamenten bestätigt auch der GKV-Spitzen­­verband. "Allerdings handelt es sich um einen Rückgang von einem sehr, sehr hohen auf ein nach wie vor hohes Niveau", erläutert Pressesprecherin Ann Marini.

Ohne Behandlung Gefahr des Leberversagens

Steht also dem WHO-Ziel, die Erkrankung auszurotten, nichts mehr im Weg? Immerhin kann eine Ansteckung mit dem Hepatitis-C-Virus ernsthafte Konsequenzen haben. Selten heilt eine akute Infektion von selbst aus, beim Großteil der Betroffenen wird sie chronisch. Die Leber entzündet sich dauerhaft, eine Zirrhose kann sich entwickeln, die wiederum möglicherweise zum Versagen des Organs und zu Krebs führt.

Wie schnell sie entstehe, hänge unter anderem vom Immunsystem oder von Umweltfaktoren ab, erklärt Experte Cornberg. Übermäßiger Alkoholkonsum, Übergewicht, aber auch Erkrankungen wie Diabetes können den Prozess beschleunigen.

Virus befällt nur Menschen

In Deutschland tragen schätzungsweise 250.000 Menschen das Hepatitis-C-Virus in sich, weltweit sind laut dem Robert-Koch-Institut (RKI) etwa 130 bis 170 Millionen infiziert. Professor Thomas Berg, Leberspezialist an der Uniklinik Leipzig, ist überzeugt: "Wenn man alle behandelt, die infiziert sind, kann sich keiner mehr beim anderen anstecken." Das Virus wäre damit endgültig gestoppt, denn es ist nur von Mensch zu Mensch übertragbar.

Das Problem dabei: Die Krankheit lässt sich nur schwer entdecken, weil jeder Patient andere Symptome zeigt – oder auch gar keine. Manche Betroffene sind vielleicht müder als sonst, haben Schmerzen im oberen Bauchbereich oder einen leichten Schnupfen. Weil diese Anzeichen so unspezifisch sind, bleibt eine Infektion häufig verborgen.

Diagnose oft reiner Zufall

"Tatsächlich wird das Virus bei über 90 Prozent der Patienten zufällig bei Routineuntersuchungen oder beim Blutspenden entdeckt", sagt Mediziner Berg. Es sei jedoch wichtig, dass Menschen mit erhöhten Leberwerten oder mit einem großen Infektionsrisiko auf Hepatitis C getestet werden. Ein generelles Screening, eine Untersuchung aller Menschen in Deutschland auf das Virus, hält der Experte nicht für kosteneffizient. Dafür komme Hepatitis C zu selten vor.

Insgesamt 4368 erstdiagnostizierte Fälle wurden im vergangenen Jahr gemeldet. Lediglich bei rund einem Viertel der Infizierten ließ sich nachvollziehen, wie sie sich angesteckt hatten. 80 Prozent der Betroffenen fangen sich laut einer aktuellen Studie des Robert-Koch-Instituts das Virus beim Drogenkonsum ein. Sie nutzen verunreinigte Spritzen. "Da reicht es schon aus, wenn man sich einmal mit einer unsauberen Kanüle sticht", sagt Professor Reinhart Zachoval vom Leberzentrum in München.

Risikofaktoren Drogenkonsum und ungeschützter Sex

Eine weitere Risikogruppe: Menschen, die ungeschützten Sex mit häu­fig wechselnden Partnern haben. Verletzungen beim Geschlechtsverkehr spielen ebenfalls eine Rolle. All das sind Übertragungswege, über die kaum jemand gerne spricht. "Hepatitis C ist eine stigmatisierte Krankheit", so Zachoval. Kaum ein Patient weist den Arzt von sich aus auf sein Erkrankungsrisiko hin.

Bei der Verbreitung von Hepatitis C ist laut Robert-Koch-Institut zum Beispiel auch die Infektion während eines Gefängnisaufenthalts ein entscheidender Faktor. "Wenn man die Krankheit ausrotten will, müssen auch Gefängnisse besser versorgt werden", sagt Zachoval.

Erschwerend kommt hinzu, dass es sich bei Neudiagnosen nicht immer um Neuerkrankungen handelt. "Auch heute gibt es noch Fälle von Menschen, die sich vor 1992 durch verunreinigte Bluttransfusionen infiziert haben", weiß Zachoval. Erst seit 1992 werden Blutkonserven so kontrolliert, dass es nahezu unmöglich ist, sich durch sie mit dem Virus anzustecken.

Test für Risikogruppen

Wer vor dieser Zeit eine größere Operation hatte, sollte sich beim Hausarzt testen lassen. Das gilt auch für alle anderen Menschen mit hohem Infektionsrisiko. Zum einen lässt sich Hepatitis C leichter heilen, wenn der Arzt die Infektion früh dia­gnostiziert. "Die Patienten müssen dann häufig sogar nur acht statt zwölf Wochen therapiert werden", sagt Berg. Eine kürzere Behandlung sei zugleich auch kostengünstiger.

Zum anderen kann man die Krankheit nur ausmerzen, wenn wirklich jeder Infizierte von der neuen Therapie profitiert. Leber­experte Zacho­val ist davon überzeugt, dass die Krankheit Hepatitis C in ein paar Jahren tatsächlich kein Problem mehr darstellen wird – und fügt hinzu: "Es wäre natürlich wünschenswert, dass solche lebensrettenden Medikamente billiger wären."



Bildnachweis: Getty Images/ Digital Vision/ Dpa Picture Alliance / All Canad Photos -

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